Der erste ist ein Tag, gesegnet mit
Glück, wenn Du Deinen jungen neuen Freund nach Hause
bringst. Vielleicht hast Du einige Wochen damit
verbracht, Dich für eine Rasse zu entscheiden. Du
hast möglicherweise unzählige Meinungen
verschiedener Tierärzte eingeholt oder lange gesucht
um einen Züchter zu finden. Oder, vielleicht hast Du
Dich auch einfach in einem flüchtigen Moment für den
dümmlich aussehenden Trottel im Schuppen entschieden
– weil irgend etwas in seinen Augen Dein Herz
berührt hat.
Aber wenn Du Dein erwähltes Haustier
nach Hause gebracht hast und Du siehst es erforschen
und seinen speziellen Platz in Deinem Flur oder
Vorraum für sich in Anspruch nehmen – und wenn Du
das erste Mal fühlst, wie es Dir um die Beine
streift – dann durchdringt Dich ein Gefühl purer
Liebe, das Du durch die vielen Jahre die da kommen
werden mit Dir tragen wirst.
Der zweite Tag wird sich acht oder
neun Jahre später ereignen. Es wird ein Tag wie
jeder andere sein. Alltäglich und nicht
außergewöhnlich. Aber, für einen überraschenden
Moment wirst Du auf Deinen langjährigen Freund
schauen – und Alter sehen, wo Du einst Aktivität
sahst. So wirst Du anfangen, die Ernährung Deines
Freundes umzustellen – und womöglich wirst Du ein
oder zwei Pillen zu seinem Futter geben. Und Du
wirst tief in Dir eine wachsende Angst spüren, die
Dich die kommende Leere erahnen lässt. Und Du wirst
dieses unbehagliche Gefühl kommen und gehen spüren,
bis schließlich der dritte Tag kommt.
Und an diesem Tag – wenn Dein Freund
und Gott sich gegen Dich entschieden haben, dann
wirst Du Dich einer Entscheidung gegenüber sehen,
die Du ganz allein treffen musst – zugunsten Deines
lebenslangen Freundes, und mit Unterstützung Deiner
eigenen tiefsten Seele. Aber auf welchem Wege auch
immer Dein Freund Dich vielleicht verlassen wird –
Du wirst Dich einsam fühlen, wie ein einzelner Stern
in dunkler Nacht. Wenn Du weise bist, wirst Du die
Tränen so frei und so oft fließen lassen, wie sie
müssen.
Und wenn es Dir typisch ergeht wirst
Du erkennen, dass nicht viele im Kreis Deiner
Familie oder Freunde in der Lage sind, Deinen Kummer
zu verstehen oder Dich zu trösten. Aber wenn Du
ehrlich zu der Liebe zu Deinem Haustier stehst, für
das Du die vielen vor Freude erfüllten Jahre gesorgt
hast, wirst Du vielleicht bemerken, dass eine Seele
– nur ein wenig kleiner als Deine eigene –
anscheinend mit Dir geht, durch die einsamen Tage,
die kommen werden. Und in diesen Momenten, in denen
Du darauf wartest, dass Dir all unser gewöhnliches
passiert, wirst Du vielleicht etwas an Deinen Beinen
entlang streichen spüren – nur ganz ganz leicht. Und
wenn Du auf dem Platz runterschaust, an dem Dein
lieber – vielleicht bester Freund – gewöhnlich lag,
wirst Du Dich an die bedeutsamen drei Tage erinnern.
Die Erinnerung wird voraussichtlich schmerzhaft sein
und einen Schmerz in Deinem Herzen hinterlassen.
Während die Zeit vergeht, kommt und geht dieser
Schmerz als hätte er sein eigenes Leben. Du wirst
ihn entweder zurückweisen oder annehmen, und er kann
Dich sehr verwirren. Wenn Du ihn zurückweist, wird
er Dich deprimieren. Wenn Du ihn annimmst, wird er
Dich vertiefen. Auf die eine oder andere Art, es
wird stets ein Schmerz bleiben.
Aber da wird es, das versichere ich
Dir, einen vierten Tag geben – entlang mit der
Erinnerung Deines Haustieres – und durch die Schwere
in Deinem Herzen schneiden, da wird eine Erkenntnis
kommen, die nur Dir gehört. Sie wird einzigartig und
stark sein, wie unsere Partnerschaft zu jedem Tier,
das wir geliebt – und verloren haben. Diese
Erkenntnis nimmt die Form lebendiger Liebe an – wie
der himmlische Geruch einer Rose, der übrig bleibt,
nachdem die Blätter verwelkt sind, diese Liebe wird
bleiben und wachsen – und da sein für unsere
Erinnerung. Es ist eine Liebe, die wir uns verdient
haben. Es ist ein Erbe, das unsere Haustiere uns
vermachen, wenn sie gehen. Und es ist ein Geschenk,
das wir mit uns tragen werden solange wir leben. Es
ist eine Liebe, die nur uns allein gehört. Und bis
unsere Zeit selbst zu gehen gekommen ist, um uns
vielleicht unseren geliebten Tieren wieder
anzuschließen – ist es eine Liebe, die wir immer
besitzen werden.
© Martin Scott Kosins